No. 10 – Self-Publisher aus Überzeugung

Als ich zu schreiben begann, lief in mir noch das übliche Standard-Denk-Programm „eines Tages ein Roman bei einem Verlag“ ab. Elf Jahre und 10 Veröffentlichungen später bin ich heilfroh, das nie in Angriff genommen zu haben.

Mittlerweile weiss ich zuviel über diese Welt, um mich freiwillig in die Literatur-Heissmangel zu begeben und mich mit anderen Leuten über die besten Plätze auf irgendeiner vor-programmierten Bestseller-Rangliste zu streiten. Weder muss ich wie eine Verrückte Buchhandlungen abklappern und mich als Vorleserin anpreisen, noch muss ich sonst irgendwo Bücklinge machen. Niemand Fremdes fuscht an meinen Texten herum, in denen jedes Wort „am Platz“ ist, wohin ich es haben will.

Niemand drückt meinen Büchern billige Archiv-Fotos aufs Cover, die bereits anderswo 1:1 verwendet wurden. Wie fühlt sich ein Autor, dessen Buch in einem Lebensmittel-Discounter auf dem Wühltisch vor den Kassen herumfliegt? (Aber vielleicht produzieren diese Leute für genau so eine Verwendung? Ich weiss es nicht.) Dies und  vieles andere mehr bleibt meinen Babies erspart.

Wer meine Bücher lesen soll, der bekommt sie in die Flossen, das habe ich unterwegs irgendwann kapiert, und ich weiss heute, dass das genau so funktioniert, und nicht anders.

Was nützt es irgendwem, wenn mein Buch bei Buchhandlung xy zu 100 Exemplaren auf einem Tisch aufgebahrt, äh, aufgetürmt liegt, und 99 Käufer machen anschliessend lange Gesichter, weil sie zum Kauf verführt wurden und dann nicht begreifen, um was es (mir) geht. Da errreiche ich lieber gleich nur den einen Leser, der das betreffende Buch an sein Herz pressen und nie wieder hergeben wird, weil es ihm einen neuen Blick auf seine Welt angeboten hat, mit dem er in seinem weiteren Leben eleganter vorankommen kann.

In dieser Freiheit macht Schreiben zwar viel Arbeit, doch es macht auch viel FREUDE.

Da könnte ich spontan Schreiben durch Leben ersetzen, denn das gilt ebenso.

Und dabei bleibt´s.

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